
Lineare Schrittmotoren werden in Positioniersystemen häufig über längere Zeit mit konstantem Strom betrieben. Dabei entsteht zwangsläufig Wärme. Eine warme Motoroberfläche ist deshalb noch kein Hinweis auf einen Fehler. Entscheidend ist vielmehr, wie hoch die Temperatur tatsächlich steigt, unter welchen Betriebsbedingungen sie entsteht und ob der Motor seine vorgesehene Funktion weiterhin zuverlässig erfüllt.
Die wichtigste Wärmequelle liegt in den Wicklungen. Sobald Strom durch die Spulen fließt, entstehen elektrische Verluste. Bei einem Schrittmotor kommen zusätzlich Verluste im magnetischen System und mechanische Reibung hinzu. Besonders auffällig wird die Erwärmung, wenn der Motor auch im Stillstand bestromt bleibt. Genau dann wird zwar keine Bewegungsarbeit verrichtet, die Wicklungen erzeugen aber weiterhin Wärme.
Bei der Beurteilung sollte man deshalb nicht allein die Außentemperatur betrachten. Ein Gehäuse, das sich mit der Hand bereits sehr heiß anfühlt, kann je nach Material und Bauform durchaus noch innerhalb des zulässigen Bereichs liegen. Die Handprobe ist für eine technische Bewertung ungeeignet, weil die persönliche Schmerzgrenze keine verlässliche Temperaturangabe liefert. Besser ist ein Infrarotthermometer oder ein angeklebter Temperatursensor. Bei Messungen mit Infrarotgeräten muss allerdings der Emissionsgrad der Oberfläche berücksichtigt werden.
Auch der Einbau beeinflusst die Wärmeabfuhr erheblich. Ein Motor, der direkt an einer Metallkonstruktion montiert ist, kann seine Verlustwärme wesentlich besser abgeben als ein vergleichbares Modell in einer schlecht belüfteten Kunststoffabdeckung. Umgebungstemperatur, Einbaulage und Luftzirkulation verändern daher die erreichbare Betriebstemperatur.
Ein weiterer Punkt ist die Einstellung des Treibers. Ein unnötig hoher Phasenstrom erhöht die Verlustleistung und bringt häufig keinen praktischen Vorteil. Bei Anwendungen mit langen Stillstandszeiten kann eine automatische Stromabsenkung sinnvoll sein. Dadurch sinkt die Wicklungstemperatur, ohne dass während der eigentlichen Bewegung auf notwendiges Drehmoment verzichtet werden muss.

